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Tabernakel leer geräumt
Lange Zeit war der bei Köln gelegene Altenberger Dom ein Zankapfel der Konfessionen. Am Wochenende feiern sie an diesem Ort einen Ökumenischen Kirchentag


Beitrag für das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt - Nr.33 - 19. August 1994


Eine große Ökumenekerze soll vom kommenden Samstag an leuchten als Symbol eines neues Miteinander der Konfessionen im Rheinland. Sie wird im Rahmen eines Gottesdienstes im Altenberger Dom, rund 20 Kilometer entfernt von Köln, aufgestellt. Vertreter von 130 katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchengemeinden entzünden daran eine Altarkerze, die dann in ihren Gotteshäusern einen ständigen, herausgehobenen Platz erhalten soll. Altenberg erlebt am Wochenende ein außergewöhnliches Ereignis: 

Die christlichen Gemeinden dieser Region haben sich auf einen gemeinsamen Kirchentag verständigt. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner, der Präses der Rheinischen Landeskirche Peter Beier, der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos und der evangelisch-methodistische Bischof Klaiber halten zum Abschluss des Tages einen Taufgedächtnisgottesdienst.

Die Idee zu dieser Veranstaltung geht auf erfolgreiche regionale Katholikentage zurück. Im Herbst 1992 erklärten 90 Prozent der evangelischen und katholischen Gemeinden in der Region, dass sie auch bei einem ökumenischen Treffen mitmachen würden. Eingeladen haben dann aber die beiden Hausherren in Altenberg. Botho Kurth, der evangelische Pfarrer, hat dieses Amt jeden Tag von 8 bis 10 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr; seinem Kollegen, dem katholischen Pfarrer Hans Hausdörfer, steht es für den Rest des Tages zu. Der Altenberger Dom ist nämlich eine Simultankirche. Die Grundlage dafür wurde in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts durch eine preußische Kabinettsorder auf Initiative des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) geschaffen.

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 waren die Mönche der damaligen Zisterzienserabtei nach Hause geschickt, Kirchengebäude und Grundbesitz säkularisiert worden. 1815 zerstörte ein Brand weitgehend die imposante, im 14. Jahrhundert vollendete gotische Kirche. Sie verfiel in den nächsten Jahren zusehends und diente den Bauern der Umgebung als Steinbruch. Friedrich Wilhelm von Preußen aber hatte ein Faible für das christlich-deutsche Mittelalter, das Heilige Römische Reich und die Kirche jener Tage. 1833, auf einer Inspektionsreise in die preußischen Rheinlande, war der pietistische Kronprinz fasziniert beim Anblick der mächtigen Ruine im romantischen Dhünntal. Er ordnete den Wiederaufbau der Kirche an unter der Bedingung, dass sie von der katholischen und der in dieser Gegend damals noch recht schwachen evangelischen Gemeinde künftig gleichermaßen genutzt weiden sollte. Am 3. Juli 1857 schließlich erhielten beide Ortsgemeinden durch den Landrat ihre Schlüssel. Obwohl in Altenberg noch nie ein Bischof amtiert hatte, war sich die Bevölkerung einig: Das Bergische Land hatte nun auch seinen Dom, den Bergischen oder eben Altenberger Dom.

Noch vor vierzig Jahren herrschte zwischen den Konfessionen aber ein eisiges Klima. Wenn die Protestanten ihren Gottesdienst feiern wollten, retteten die Katholiken zuvor „das Allerheiligste", sie räumten das Tabernakel leer und löschten das Ewige Licht. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts führte die katholische Kirche erfolglos einen Rechtsstreit gegen die Simultankirchenverfassung; 1957 bat die evangelische Kirche im Rheinland das nordrhein-westfälische Kultusministerium um Rechtsschutz, um die katholische Seite daran zu hindern, in Altenberg wieder Zisterzienser anzusiedeln.

Erst infolge des Zweiten Vatikanums hat sich das Verhältnis der beiden Konfessionen grundlegend gewandelt. Heute gilt zwischen den beiden Gemeinden die Regel: Alles, was gemeinsam möglich ist, wird auch gemeinsam gemacht: Frauenkreise, Literaturzirkel, ein Philosophie-Seminar, Caritas- und Diakoniearbeit, selbst Bibelarbeiten. Und einige Male im Jahr werden auch ökumenische Gottesdienste gefeiert.

Die Maler der Spätromantiker zeichneten die Klosterruine mit äsenden Rehen und dem Flüsschen Dhünn im Abendsonnenschein. Seither pilgern immer mehr Ausflügler nach Altenberg und lassen sich von der anheimelnden Stimmung einfangen. Die Gottesdienste beider Konfessionen sind überdurchschnittlich gut besucht, Zum ökumenischen Kirchentag rechnen die Veranstalter nun mit bis zu 10 000 Menschen. An 40-Informationssständen werden ihnen dort konfessionsverbindende Aktivitäten vorgestellt. In 16 offenen Arbeitskreisen können sie mit Liedern, meditativen Tänzen und Bibliodrama Gemeinschaft erleben oder aber über den Auftrag der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung, das Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit, bei der Hilfe für Bosnien oder im Arbeitsleben der Zukunft diskutieren. Es sollen konfliktträchtige Fragen besprochen werden: Soll Religionsunterricht künftig ökumenisch erfolgen? Unter welchen Bedingungen ist ein gemeinsames Abendmahl möglich? Die Rolle der Frauen in der Kirche steht zwar zur Debatte, aber mit keinem Wort kommt das Problem der Frauenordination im Programm vor.

Die Organisationen setzen auf den Minimalkonsens der Taufe, das Erlebnis von Gemeinschaft und eine wachsende Ökumene von unten. Dafür soll Frieden sein, ökumenischer Friede - gerade in Altenberg.

 

© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1994. 


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