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Kantoren für die Reformsynagoge
Die "School of Sacred Music" am Hebrew Union College von New York


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 


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für Saarländischer Rundfunk - SR 2 "Thema: Kultur/Musik"
Dienstag, 30. Juli 2002, 09:30 - 10:00 Uhr

Teil 1 (von 4)

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Musik 1a     

Psalm 113,
         auf: Celebrating the Past and the Present
         HUC-JIR 1999, Industrie-Nr.
6-6035506172-1

((bei ca. 0:22 runterziehen, unterlegen))

New York City, Stadtteil Greenwich Village, unweit vom Washington Square. Vor mehr als fünfzig Jahren wurde hier eine Art Konservatorium etabliert zur Ausbildung von jüdischen Kantoren. Es ist eine ganz und gar amerikanische Institution, und doch ist sie in vielfacher Hinsicht mit deutsch-jüdischer Geschichte und Kultur verflochten. Es handelt sich um die „School of Sacred Music“ an der New Yorker Dependance des Hebrew-Union-College, der ältesten jüdischen Hochschule für Religion in den USA.

Campus "Hebrew Union College" in New York

((bei ca. 0:32 wieder hochfahren))

Musik 1b     

Psalm 113,
         auf: Celebrating the Past and the Present
         HUC-JIR 1999, Industrie-Nr.
6-6035506172-1

((bei ca. 0:44 absenken und vor "Lewandowski" rausziehen))

1998 feierte die School of Sacred Music ihr 50jähriges Jubiläum. Die Tradition aber, auf die sie zurückblickt, hat ihre Wurzeln in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa, und hier vor allem in Deutschland. Ein Name ist geradezu ein Synonym für diese Anfänge: der Berliner Kantor  und Komponist Louis Lewandowski.

Als die Berliner Jüdische Gemeinde im Jahre 1844 diesen ehemaligen Studenten der Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste als Chordirigenten einstellte, konnte sie nicht ahnen, dass ihr neuer, 23 Jahre alter Hausmusiker den Ehrgeiz hatte, die Synagogalmusik gründlich zu verändern. Dazu gehörten für ihn vor allem die Orgel  - und zuweilen auch Melodien, die zuerst in Kirchen erklangen. Zum Beispiel diese Hymne zu Chanukka, einem Fest, das wie Weihnachten, im Dezember gefeiert wird. Wie in der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin Ende der 20iger Jahre Lewandowski-Arrangements klangen, davon zeugt diese historische Aufnahme:

((bei 1:25 aufblenden, evtl. vorher bereits unterlegen))

Musik 2 

Ma’os Zur,
auf: Die Musiktradition der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin
BTR 9702, Feher Jewish Music Center - Beth Hatefutsoth Records

((bei 2:03 absenken und noch etwas unterlegen))

Die Aufklärung hatte den Juden zwar schließlich die Emanzipation gebracht, ihnen aber gleichzeitig das Gefühl vermittelt, dass ihre Traditionen überholt sind und die Liturgie einer Reform bedarf. Form und Stil von Gesang und Musik in der Synagoge näherten Lewandwoski und viele andere Kantoren und Komponisten seiner Zeit der damals populären spätromantischen europäischen Musik an. Sie komponierten die althergebrachten melodischen Muster mit ihren hebräischen Akzenten in ein harmonisches Gerüst.

Ein Beispiel: Ma Towu – Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel. Ein Gebetsgesang mit dem seit Jahrhunderten zu Beginn des Gottesdienstes am Samstag, am Morgen des Schabbat, das Zusammentreffen in der Synagoge gefeiert wird. Vom späten 19. Jahrhundert an bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts klang das vor allem in den großen Städten oft so.

((bei 2:29 rein [Gesang], ab Ma Towu vorher unterlegen))

Musik 3

Wie schön sind deine Zelte Jakob,
auf: Die Musiktradition der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin
BTR 9702, Feher Jewish Music Center - Beth Hatefutsoth Records

Mit dem 19. Jahrhundert kommt es in Europa zu einer Blüte der Synagogalmusik. Das europäische Judentum, und vor allem das in Deutschland, ist so produktiv, das es sich leisten kann, viele seiner Kantoren an die Auswanderergemeinden in den USA und Kanada zu verlieren. So bleibt es – bis zum Holocaust und der Ermordung von Millionen Juden in Europa. Dazu Bruce Ruben, Geschichtsdozent an der städtischen Universität von New York und Gemeindekantor des Tempel „Shaaray Tefila“:

O-Ton 1 <21> (Interview Cantor Bruce Ruben, Temple Shaaray Tefila, New York)
WWII means there is no longer a source like that and all the movements began to confront the problem seriously for the first time. There have been attempts all the way long. The Jewish Theological Seminary tried several times to start a school. Some of the early cantorial unions attempted to form schools, because everybody thought, there were a problem, these was no systematic education in terms of Jewish music and cantorial arts. So that finally in 1948 a group of people got together and – there were not just Reform, there were all movements represented: Orthodox, Reform and Conservative, Rabbis and Musicians involved in this attempt. The group was called „The Society for the Advancement of Liturgical Music“ and they met at the Spanish-Portuguese Synagogue. It was an Orthodox Synagogue and they said, what we have to do, is to create a professional cantorate for all of the Jewish people in America. JTS, Jewish Theological Seminary, the conservative group, did not confirm offering space. Yeshiva was hesitant, but Hebrew Union College said, we will host such a school. And immediately there were political problems, because the Orthodox didn’t want their Cantors trained in a Reform institution and there was a lot of political back and forth. Finally, the school got the approval of the president of Hebrew Union College. And they began a curriculum that connected with a new School of Education, that what was put in New York in 1948. And so 1948 this new cantorial school was founded as the first professional cantorial school in America, and its purpose was to train Cantors for all the movements.

Nach dem zweiten Weltkrieg war diese Quelle versiegt. Alle Richtungen im amerikanischen Judentum mussten sich nun ernsthaft Gedanken machen. Das Jüdisch-Theologische Seminar der konservativen Strömung versuchte etwas auf die Beine zu stellen, die Kantorenvereinigung bemühte sich Ausbildungsstätten zu gründen, und jedem war klar, dass es ein Problem gibt, weil sowohl für jüdische Musik als auch für eine fachwissenschaftlich fundierte Qualifikation der Kantoren jede systematische Grundlage fehlte. 1948 fand sich schließlich eine Gruppe von Leuten aus allen Lagern zusammen. Dazu gehörten Orthodoxe, das Reformjudentum, Konservative, Rabbiner und Musiker. Diese Gruppe nannte sich „Gesellschaft für die Förderung liturgischer Musik“. Sie trafen sich in der orthodox ausgerichteten spanisch-portugiesischen Synagoge. Als Ziel formulierte sie, den Kantorenberuf zu professionalisieren – und zwar für das gesamte Judentum in Amerika. Das Jüdisch-Theologische Seminar konnte keinen Platz zur Verfügung stellen. Die orthodoxe Yeshiva-Universität war unschlüssig. Nur das liberale Hebrew Union College erklärte, dass es bereit wäre, eine solche Schule zu unterhalten. Das hatte sogleich politische Probleme zur Folge. Die Orthodoxen wollten nicht, dass ihre Kantoren in einer Hochschule der Reformbewegung unterrichtet werden. Aber weil das Hebrew Union College in New York ohnehin eine pädagogische Fakultät eröffnen wollte, ergriff es die Initiative und eröffnete 1948 die erste professionelle Kantorenschule in Amerika mit dem erklärten Ziel, Kantoren für alle Strömungen auszubilden.

Tatsächlich bilden heute alle Strömungen des amerikanischen Judentums ihre Kantoren selber aus. Die School of Sacred Music ist aber bei weitem die größte Hochschule. 

In den USA leben – nach Israel – die meisten Juden weltweit, nämlich rund sechs Millionen Menschen. Vieles von dem was sich in diesem Teil der Welt tut, wirkt auch auf andere Regionen der Diaspora, erst recht auf die in den letzten Jahren schnell wachsende jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Vor gut vier Jahren war es im Berliner Zentrum Judaicum der Synagoge Oranienburger Straße eine New Yorkerin, die zum ersten Mal in Deutschland demonstrierte, dass auch Frauen dieses Amt ausfüllen können. Das ist innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland noch lange nicht konsensfähig. In der liberal geprägten Berliner Synagoge Oranienburger Straße allerdings leiten jetzt schon seit einiger Zeit Kantorinnen den Gottesdienst. Wie gesagt, die erste Kantorin kam zu Besuch aus New York: Rebecca Garfein:


Teil 1 (von 4)

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