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Perspektiven für die Musikindustrie
Der Kongress "MusiCon 1995" tagte über die Zukunft von Musik, Medien und Marketing


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Das Ende vom Lied?
Zum Einfluss der Digitalisierung auf die internationale Musikindustrie

Tile von Damm: Neue digitale Medien und die Musikbranche
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Neue digitale Medien & die Musikbranche.
Eine Akteursanalyse

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Mix, Burn und R.I.P.
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Musikindustrie und Web 2.0. Die Veränderung der Rezeption und Distribution von Musik durch das Web 2.0

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Grundlagen, Erfolgsfaktoren, Perspektiven


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Peter Tschmuck:
Kreativität und Innovation in der Musikindustrie

Buch "Armin Medosch/ Janko Röttgers: Netzpiraten - Di Kultur des elektronischen Verbrechens"
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Armin Medosch/ Janko Röttgers: 
Netzpiraten.
Die Kultur des elektronischen Verbrechens

Robert Lyng: Die Praxis im Musikbusiness
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Barbara & Gunnar Berndorf/
Knut Eigler: 
Musikrecht

Malcolm McLaren: Fans
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Malcolm McLaren:
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Buch: McLaren/ Wooldridge: Rock'n'Roll London
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Max Wooldrigde:
Rock'n'Roll London

Buch: Rudi Dolezal / Hannes Rossacher: Falco
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Rudi Dolezal /
Hannes Rossacher:
Falco.
Hoch wie nie

DVD: Sex Pistols: The Filth and the Fury
DVD
Sex Pistols:
The Filth and the Fury


Maxi-CD
Mark 'Oh: Never stop that feeling

CD: Mark 'Oh
CD
Mark 'Oh

 

© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1995. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 


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Noten bei Notenbuch.de


Reiseträume 140x600.gif

 

für Radio Ö1 (ORF 1. Programm) "Transparent - Das Kulturstudio"
21. März 1995, 22.15 - 23:00 Uhr

O-Ton 1 (Malcolm McLaren)
lf you ask me, who is the most rock'n' roller guy round you have to say, the computer hacker. He’s more interesting than the guy playing the guitar, because he is in a way a bigger dreamer, in a way a more subversive character. And in a way a much more underground star, because he down' t work within the media, he works outside of it and that's why his intriguing. And the other guy is rather boring.

Wenn Sie mich fragen, wen ich Für den größten Rock'n'Roller halte, dann sage ich Ihnen, es ist der Computer-Hacker:. Er ist auf seine Art viel interessanter als der Typ, der Gitarre spielt. Die Fantasien des Hackers reichen viel weiter, er ist wirklich subversiv. Und er ist irgendwie auch ein echter Underground-Star, denn er arbeitet außerhalb der Medien. Das macht ihn so faszinierend Der andere Typ dagegen ist ziemlich langweilig.   

Die Diskussion nach diesem Referat von Malcolm McLaren verlief artig, so wie es sich gehört: Aber die Teilnehmer dieses Kongresses für Musik, Medien und Marketing, MusiCon 95  murrten im Foyer: "So, sind sie die erfolgreichen Stars. Sie vergessen, wo ihr Erfolg herkommt." Die meisten Kongressbesucher' kamen aus Vorständen und Geschäftsführungen der Musik- und Musikmedienwirtschaft. Und Malcolm McLaren ist eben nicht nur über die Medien hergezogen, sondern auch über die Businessleute.

O-Ton 2 (Malcolm McLaren)
It is a fact, a very simple fact, the art and business are rarely very good partners, they don't make great marriages, it's hard. And unless people working in a business have a sufficient sensitivity and intelligence, then its really hard.

Es ist eine Tatsache, eine einfache Tatsache: Kunst und Geschäft sind selten gute Partner. Das werden keine Liebesbeziehungen. Es ist schwierig. Und wenn die Leute in einem Unternehmen nicht wenigstens ein gewisses Maß an Sensibilität und Intelligenz mitbringen, dann kann es schlimm werden.

Der Kongressveranstalter Management-Circle und das Marktblatt der Popmusikbranche "Die Musikwoche" hatten den vielseitigen Bandmanager, Fashion- und Tonkünstler als Agent Provocateur eingeladen. Doch die Headhunter unter den Kongressteilnehmern können einstweilen noch ganz beruhigt mein: vielleicht nicht die Computerhacker, aber die erste Generation der Computer-Kids haben sie schon in der Hand.

O-Ton 3 (Ausschnitt aus Video Ulf Gunnar Switalski)
Erst haben alle gesagt, unsere Musik, sei Musik für Vorrückte. Jetzt sind alle verrückt nach unserer Musik. Verrückt? Oder? Never stop that feeling. 

Mark Oh. Never stop that feeling. Das Album. 

Mark Oh ist DJ. Seine Musik hat er mit dem Computer gesampelt. Vor wenigen Jahren noch, tönten die. Techno-Ideologen in den Popmusikblättern, ihre Musik sei endlich mal. eine ganz und gar demokratische, die Zeit der Stars, der protzenden Gockel sei vorbei. Der Star sei das Publikum, diese fröhlich ravende Family eines Technoklubs. Auch die Schallplattenindustrie fürchtete, hier hätte sie nichts; mehr zu bestellen.

Doch Mark Oh ist nicht der erste Gegenbeispiel. Er tritt in diesem Clip auf wie ein Pascha. Mit verschränkten Armen hat sich der DJ im Hintergrund aufgebaut, vorne hockt ein weiblicher Fan, ein nettes Mädchen, und sagt professionell Nettigkeiten über seine Musik und sein neues Album. Rund 12 Tausend Fans hat. eine Kommunikations-Kampagne der Motor-Music, des Techno-Labels der Polygram, zugunsten von Mark Oh mobilisieren können. 3000 rissen sich darum, im Video mitmachen zu dürfen. 

OTon 4 (Video Ulf Gunnar Switalski)
Er sieht einfach süß aus. Hat ein süßes Lächeln, 'n süßen Hintern

 

Musik 1: 

(1) Allegro,
auf: Nigel Kennedy,
''Vivaldi, The Four Seasons

EMI CDC 74.9557 2, , LC 011.0

Techno-Musik. wird kaum im Radio gespielt, auch die Chart-Erfolge nicht. Sie lebt vom Erlebnis im Klub und von visuellen Effekten. Das Radio der ganz Jungen ist deshalb das Fernsehen geworden, vorzugsweise die Popmusik-Kanäle: MTV und VIVA. Diese Musik dagegen passt ins Radio. Aber aus der Sicht der Schallplattenindustrie stimmte lange Zeit ihr Umsatz nicht.. Der Musikagent Andreas Pütz war früher bei einem großen deutschen Unternehmen, u.a. in der Klassikabteilung.

O-Ton 5 (Andreas Pütz)
Die Klassiker haben lange Zeit immer es unterschätzt, dass sich der Konsument natürlich gerne mit dem Künstler identifizieren möchte, dass er den Künstler zum Anfassen haben möchte.

1989. Die Nachricht aus Großbritannien war erstaunlich. Eine Art Punk-Geiger soll dort mit einer Aufnahme von Vivaldis vier Jahreszeiten richtig populär geworden sein. Die Marketing-Leute aus der Klassik-Abteilung eines großen deutschen Schallplattenunternehmens rümpften die Nase. Populär? Das kann nicht gut sein. Eine besondere Veröffentlichung für den deutschsprachigen Markt schlossen sie aus. Dach die Nachrichten aus England wurden noch erstaunlicher, erinnert sich Andreas Pütz. Er war damals hautnah dabei.

O-Ton 6 (Andreas Pütz)
Chart Entry nämlich für Nigel Kennedy auf Platz 42, nicht etwa der Klassik Charts, da war er längst auf Platz 1, sondern in den britischen Pop-Alben Charts. Zwei/ drei Wochen später stieg die Aufnahme auf Platz 35 und war, damit die erste Klassik-Aufnahme, die die TOP 40 der britischen Pop-Charts stürmt. Aber selbst da war, es noch nicht zu Ende. Es ging weiter durch die TOP 30, die TOP 20 in die TOP 10, bis dann irgendwann Anfang März die höchste Notierung auf Platz 6 in den britischen Pop-Charts war.

Klassik-Star Nigel Kennedy war ein Beispiel nach dem Geschmack der MusiCon-Kongressteilnehmer. Denn die Tonträger-Verkäufe sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Die Schallplattenfirmen haben deshalb auch ihre Klassik-Abteilungen in Profit-Center umgewandelt. Jetzt müssen sie Umsatz bringen und ihr Potenzial ausschöpfen. Die Anerkennung ihrer Musik unter Fachleuten reicht nicht mehr. Und seitdem arbeiten auch sie mit Methoden, die ihnen die Kollegen von der Pop-Abteilung vorgemacht haben: Der Musiker wird zum Markenartikel - nicht durch traditionelle Werbung, sondern durch Imagebildung, unkonventionelles Marketing, Werbung auf der Basis von Gegengeschäften und eine umfangreiche PR- und Öffentlichkeitsarbeit, auch in ganz normalen Programmen. Die Folge davon: Klassik-Musiker dürfen künftig nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Sonst können sie auf keine ambitionierten CD-Produktionen bei einem Major-Label mehr rechnen. Bei. Nigel Kennedy war das: kein Problem. Andreas Pütz:

O-Ton 7 (Andreas Pütz)
Er ist eine schillernde Persönlichkeit und hat den Kontakt zu den Leuten und zum Leben nicht verloren. Er übt nicht zwölf Stunden am Tag und setzt sich in irgendwelche Archiven um alte Noten auszugraben, wie das viele seiner Kollegen tun, sondern er lebt wirklich. Und für ihn ist sein Fußballverein Aston Villa manchmal wichtiger als seine Geige.

Doch obwohl nunmehr Pop wie Klassik von der Musikwirtschaft in gleicher Weise unter ökonomische Kuratel gestellt wurden, plagt sich die Branche mit Sorgen. Die Bedingungen werden sich in den nächsten Jahren - ganz gleich in welchem Genre - weiter fundamental wandeln. Die Hauptkäufergruppe von Tonträgern, die 20 bis 35-jährigen, wird immer kleiner. Außerdem befriedigt :sie ihr Musikbedürfnis immer stärker über Radio- und Fernsehprogramme. Am augenfälligsten aber verändern sich die Endgeräte. Die traditionellen Medien - Fernseher, CD-Player, Radio - werden wohl immer stärker mit Computern und Computernetzen zusammenwachsen. Und mit denen wird man in wenigen Jahren aus weltweit verstreuten Quellen, Texte, Musik, Spiele, Sprache und Bilder ins Wohnzimmer holen können. Schon heute sind weltweit rund 30 Millionen Menschen an das Datennetz Internet angeschlossen. Wenig Sorgen machen darüber sich allein die. Videokünstler. Die im deutschsprachigen Raum führende Wiener DoRo-Produktion sieht fette Jahre vor sich. Dazu einer der, beiden Gesellschafter, Rudi Dolezal.

O-Ton 8 (Rudi Dolezal)                                                                                            
Für unser Handwerk bedeutet diese Entwicklung Good News. Fast alle Dinge bauen auf der Basis des qualitativ hochwertigen Filmemachens aufs und auch auf der Basis von kreativer Visualisierung. Ein neues Madonna-Video gibt es dann eben auf MTV oder VIVA oder so einer Station als reguläres Musikvideo u sehen. Man kann es aber auch gleichzeitig über ein Netz sich runterladen auf den eigenen PC. Oder es gibt dann eben auch eine CD-ROM-Version bei der man dann noch im Schnitt eigene Fassungen anfertigen kann oder selber an dem Stück noch etwas mitgestalten kann.

Für die Manager im Musikbusiness dagegen stellt sich hier die Existenzfrage. Gibt es für sie auf die Dauer noch eine eigenständige Rolle in einer multimedialen Unterhaltungskultur? Gerhard Florin von der BMG Ariola-Miller plagen diese Sorgen nicht.

O-Ton 9 (Gerhard Florin)
Braucht man die Musik oder braucht man sie nicht, Haben Sie schon mal, ein Fernsehstück gesehen oder auch ein Multimediastück ohne Musik? Das ist langweilig. Man muss immer Musik haben, man muss immer Musikrechte haben. Und die Rechte haben wir. Und über diesen Kanal, das war ja unsere Philosophie, können wir da einsteigen und das lernen. 

Ein solches Lernfeld wurde in Frankfurt besonders heftig diskutiert: die CD ROM. Sie sieht der vertrauten CD zum Verwechseln ähnlich, und doch ist sie ganz anders. Denn sie ist nicht nur ein Ton- sondern such ein Bildträger und hält im Hintergrund allerlei Raum bereit Für mehrdimensionale Anwendungen, und auch den Speicherplatz dafür. Die Computerkids kennen mich damit längst aus. Noch spielen sie vor allem damit. CD ROMs als Musik-,Ton- und Bildträger gibt es aber nur in paar, eigentlich nur in der Popmusik. Der frühere ZDF-Unterhaltungsredakteur Heiko Schmidt hat sich nun mit einer Klassik CD ROM vorgewagt: Josef Haydn, vorgestellt von Peter Ustinov. Doch dabei gibt es ein Problem:

O-Ton 10 (Heiko Schmidt)
Natürlich ist Haydn ein Special Interest Thema. Natürlich ist die Zielgruppe sehr, sehr klein. Aber der Ansatz, so in Thema anzufassen und multimedial aufzubereiten, ist ein anderer. Ziel muss es doch eigentlich von uns allen sein, die wir professionell den Markt aufbereiten wallen mit hochqualitativen Produkten am Markt zu sein.

 

Musik 2

(3) Finale: Tempo di Minuet,
aus: Joseph Haydn, Piano Sonata, Mob.
XV1:49,
   auf: Vladimir Horowitz: The last Recording
SONY SK 458.1.8, CB 811

Jeder Anwender soll auf dieser CD ROM in einer beliebigen Folge Musik-, Text und Bild-Informationen wählen können. In der Popmusik geht man manchmal nach weiter. Man kann zwar nicht die Musik aber man soll die Bildfolgen eines Videos selber schneiden und speichern können. Aber viel mehr wird noch nicht geboten. Dass das bereits attraktiv ist, bezweifelte ein Teilnehmer in Frankfurt:

O-Ton 11 (Teilnehmer)
Wenn ich mir Glas Produkt nach mal. angucke mit diesen Videos, dem Zusammenschneiden, da habe ich, wenn ich mich als Kunde jetzt sehe, das Gefühl, ich bin hier, der kauft das Produkt nur deshalb, damit das Ganze ins Rollen kommt. Da wird Multi-Media gemacht, um der Multi-Media Willen.

Aber wann man einmal davon absieht, dass der größte Teil der CD ROM Veröffentlichungen von heute nach ganz mit den Vorurteilen aus den Vorgängermedien belastet ist, steckt in dieser blanken Scheibe langfristig ein Potenzial? Der Allround-Künstler Malcolm McLaren ist fest davon überzeugt. In seinen Visionen erwartet er, dass dieses Medium eine Art neuer Renaissance einleitet.

O-Ton 12 (Malcolm McLaren)
I think, the fact is CD ROM needs, a method of creating something that does use the Bridge between art und science. Because, the CD ROM is to wide, its to wide for a very old fashioned industry that continues to sign a gut playing guitar down the local Club.

Ich denke, die CD ROM benötigt eine neue kreative Methode, eine, die die Brücke zwischen Kunst und Geisteswissenschaften bildet. Denn die CD ROM bietet so viele Möglichkeiten. Sie sind zu groß, um nur einer altmodischen Industrie zu dienen, die immer nach Typen verpflichtet, die nur Gitarre spielen.

Auch BMG Manager Gerhard Florin zweifelt nicht an der Zukunft dieses Mediums. Nur: Als Vertreter dieser "altmodischen" Industrie erwartet er die Umsätze eher im Bereich neuer Formen des Musik-Entertainments. Aber noch seien wir zwangsläufig in der ersten Phase, in der. Phase der Experimente. Der eigentliche Durchbruch der neuen interaktiven Musikmedien, so seine Prognose, werde noch etwas auf sich waren lassen. aber das sei nur eine Frage der Zeit.

O-Ton 13 (Gerhard Florin)  
Ich glaube, dass viele von uns nicht genau wissen, was damit zu tun ist, weil sie es einfach noch nicht genug getestet haben, weil wir unheimlich hohe Eingangshürden haben, so einen PC mit einer CD ROM zum Laufen zu bringen. 

Zwischenfrage des Moderators: Müssen wir dann solange warten, bis die Kids groß geworden sind, bis der Markt für teures Informations..... 

Der durchschnittliche Bürger ja! Würde ich sagen. Wahrscheinlich dauert es solange. 10 Jahre.


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