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Musik, Medien, Technik – ein Handbuch.
Eine Buchrezension

© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


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für Deutschlandfunk "Musikjournal"
Montag, 4. Januar 1999, 20:10 - 21:00 Uhr


Die Idee ist nahe liegend. Im Kulturleben heute ist Musik so eng mit Medien und Technik verbunden, dass es sich weder die Musikpädagogen noch Musikwissenschaftler oder Instrumentalisten erlauben können, in Lehre und Unterricht allein Notensätze, Komponisten, Arrangements, Töne und Klänge zu präsentieren. Gerade in dieser Zielgruppe aber stellt Heinz W. Burow, der Autor dieses Handbuches, erhebliche Informations- und Handlungsdefizite fest, sobald es um technologische oder ökonomische Bedingungen des Musikmachens geht. Auf knapp 350 Seiten sucht er diese Lücken zu schließen und in fünf Kapiteln, die Zusammenhänge zwischen Musik, Medien und Technik zu verdeutlichen.

Das erste wendet sich den drei Begriffen im Titel des Buches zu. Musik wird als ein kommunikatives Ereignis beschrieben, das nicht nur aus Klängen besteht – präziser ausgedrückt „künstlerisch-ästhetischen Informationen“, sondern einhergeht mit einer Reihe von Zeichenhandlungen, die den bloßen Informationen Bedeutung und Gewicht verleihen. Diese Zeichen werden über Medien vermittelt, angefangen vom Instrument, über die Notation bis zum Tonträger und natürlich die so genannten Massenmedien. Diese Medien wiederum beruhen auf der Anwendung von Techniken: den Technologien - Technologien zur Verbreitung von Musik und solche zur Produktion.

Die Musikproduktion steht im Zentrum des zweiten Kapitels. In einer Tour d’Horizon skizziert der Autor die Geschichte der Musikindustrie, die Entwicklung der elektronischen Musik, den Wandel von der analogen zur digitalen Technik, die verschiedenen Aufnahme- und Wiedergabemedien und schließlich die Rolle von Musik in Filmen, Videos und Werbung. Als wichtigstes Kennzeichen von Musik in unserer Zeit stellt er heraus, dass sie nur noch in Ausnahmen „live“ erlebt wird – also in Echtzeit und einmalig, sondern in der Regel auf Tonträgern in frisierten, perfektionierten Varianten zu hören ist. Die wiederum können beliebig oft und beliebig lange gespielt werden.

Das dritte widmet sich der Musik als Ware und deren Vermarktung und Vertrieb. Die Abschnitte Marketing und Werbung schildern noch einigermaßen anschaulich, wie die „Artist and Repertoire“-Abteilungen der Schallplattenfirmen Produktideen realisieren, d.h. wie sie geeignete Musiker und Interpreten entdecken und gewinnen, und wie die Werbeabteilungen diese auf dem Markt bekannt machen. Dagegen sind die Passagen über Radio und Fernsehen in weiten Teilen unspezifische Schilderungen der Medienlandschaft und der Produktionsbedingungen in den Funkhäusern. Etwas plastischer werden die Texte allein auf jenen zehn Seiten, wo es um den einflussreichen Trend zum Formatradio geht, im dem die Musikfarbe das Erscheinungsbild des Programms entscheidend bestimmt. Aber wirklich illustrativ sind sie nicht.

Das Kapitel Musikrezeption hat mit Musik nur noch wenig zu schaffen. So wird etwa bei der Diskussion der Publikums-, Hörer- und Medienwirkungsforschung mehrfach auf die Problematik vom Gewaltdarstellungen Bezug genommen, ohne dass ein sinnvoller Zusammenhang zu Musik erkennbar wäre. Die Literatur gibt dazu aber durchaus etwas her. Das letzte Kapitel zu den Zukunftsaussichten driftet vollends ab. Es enthält kaum mehr als ein paar Notizen zu den Perspektiven der Kommunikationsgesellschaft, in denen es auch um Musik geht.

Für all jene, die sich zwar intensiv mit Musik aber so gut wie gar nicht mit Medien beschäftigt haben, ist dieses Handbuch sicher ein brauchbarer Einstieg, um Zusammenhänge zwischen Musik, Medien und Technik in unserer Zeit verstehen zu lernen. Für eine spätere Auflage wäre dem Buch aber zu wünschen, dass seine Didaktik noch einmal überarbeitet wird, - vor allem, dass es mit mehr Beispielen und Forschungsergebnissen angereichert wird, deren Bezug zur Musik offensichtlich ist.


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